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Schriftwechsel zwischen Hans Püschel und Christian Endt
Auf Verlangen von Herrn Endt, Geschäftsführer des Toleranzbündnisses Weißenfels, wurde sein Schreiben an Herrn Püschel entfernt!
Sehr geehrter Herr Endt,
es ist schade, daß Sie auf die Diskussion nicht eingehen wollen. Dies ist genau die Reaktion, die ich seit Wochen erlebe: regelmäßig etwas mitleidige Belehrung, Beschimpfung als Nazi oder zumindest Sympathisant der NPD, obwohl ich Sympathie an keiner Stelle geäußert habe, sondern lediglich eine sachliche Auseinandersetzung mit ihren Vorschlägen und Thesen anmahne.
Aber letztendlich bin ich Ihnen dankbar, daß Sie mich nun doch dazu gezwungen haben, ehe ich Ihnen antworte, mir auch einmal das Programm der NPD anzusehen. Grundsätzlich halte ich nicht viel von Programmen, da Papier bekanntlich geduldig ist und man es …getrost nach Hause tragen kann. Dabei fällt mir z. Bsp. schmerzhaft die Diskrepanz zwischen Schröderscher Politik und SPD-Programm ein. Es gibt nur wenige positive Beispiele wie bei FDP und CSU mit der ermäßigten Hotel-Steuer oder bei der CDU/FDP mit der verlängerten Atomlaufzeit. Aber die Freude darüber will nicht so recht aufkommen – bei Ihnen vielleicht? Also, nichtsdestotrotz habe ich auf der Webseite der Bundes-NPD das 2010 beschlossene Programm angesehen bzw. überflogen. Und nun bräuchte ich allerdings Ihre Unterstützung: ich hab da wieder nichts Verwerfliches gefunden! Soll ich nun wieder sagen: Ich könnte das mit unterschreiben?
Vielleicht könnten Sie mir konkret sagen, was daran so schlimm ist!
Es mit dem NSDAP-Programm zu vergleichen kann ich nicht, da ich dieses nicht kenne, es eigentlich auch nicht kennen lernen will, weil mir die Hitlerschen Verbrechen ausreichend bekannt und suspekt sind.
Was mich erschreckt ist Ihre Unterstellung, daß diese Menschen, die ich auf dem Parteitag der NPD in Hohenmölsen gesehen habe oder die hier in Sachsen-Anhalt für die NPD stehen, diese Verbrechen der Hitlerdiktatur wiederholen wollen oder würden! Glauben Sie das wirklich ernsthaft, daß jemand etwas Vergleichbares wie Buchenwald und Dachau in Deutschland wieder realisieren will oder wird???
Diese Unterstellung ist doch fast bösartig, meinen Sie nicht?
Geschichte wiederholt sich nicht.
Was fast noch bedenklicher ist, ergibt sich bei genauerer Betrachtung aus der von Ihnen geäußerten Vermutung, daß die NPD in Deutschland analog dem Geschehen von 1933 die Macht ‘ergreifen’ könnte. Dies setzt doch mindestens zwei Dinge voraus:
1. Die etablierten Parteien der Mitte(!) als der regelmäßig verantwortlich Regierenden fahren die Bundesrepublik analog der
damaligen Situation vor den Baum – maL salopp ausgedrückt. Dies hieße
innerer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Niedergang bei parallel enormen Geldabfluß nach außen (Gibt es da zufällig Übereistimmungen?) 2. Die Parteien der konservativen Mitte – heute wären das CDU/CSU und FDP – würden für eine NPD-Regierung stimmen. Sehen Sie da entsprechende Ansätze? Ich nicht. Und die SPD hatte sich damals schon gewehrt. (Sie sehen somit, daß ich diesbezüglich ein ganz gutes, durch 35 Jahre DDR-Bildung und -Erziehung geprägtes Geschichtsbild habe. Wir sollten uns das nicht gegenseitig in Abrede stellen.) Also, ich denke, über unsere mehr oder weniger klaren Bilder von der NPD, von unseren gesellschaftlichen Zuständen, auch über uns selbst wäre nach meiner Ansicht noch längst nicht alles gesagt, wie sie schreiben.
Oder man fürchtet sich vor dem Miteinanderreden? Ich finde es überlebensnotwendig und es zwingt uns dazu, eigene Standpunkte zu überdenken, zu konkretisieren und -wenn man den Gegenüber ernst nimmt – sogar in Frage zu stellen. Ich kann Ihnen sagen, soviel Selbstzweifel wie in den letzten Wochen – hatte ich selten in meinem Leben. Weil ich ständig gezwungen war und mich darauf eingelassen habe, mich selbst, eigene Weltsichten und Meinungen kritisch zu hinterfragen, Dogmen nicht mehr einfach hinzunehmen.
Ich möcht Sie nur bitten und Ihnen raten: Lassen Sie sich genauso darauf ein!
Wir können dabei nur gewinnen und erst recht Deutschland, was es bitter notwendig hat.
Mit freundlichen Grüßen
Hans Püschel
Krauschwitz, den 19.12.2010
Antwort von Hans Püschel auf “Aufklärungsschrift” von Christian Endt vom Toleranzbündnis Weißenfels
Sehr geehrter Herr Endt,
vielen Dank für Ihr ausführliches Schreiben. Beweißt es doch, dass einige gesellschaftliche Kräfte noch gewillt sind, über gesellschaftliche Entwicklungen und Zustände zu diskutieren. Die Ablehnung dieser Diskussion in den Medien der ‚demokratischen Mitte’ führt ja zwangsläufig dazu, dass gerade die extremeren Medien sich umso dankbarer andienen und mir somit ausschließlich zur Verfügung stehen. Sogar mein parteieigenes Forum schließt mich aus, weil offenbar freie Meinungsäußerungen und Diskussionen nicht ausgehalten werden. Ein Beleg für die bereits fest etablierte so genannte „Status-quo-Diktatur“?
Da die Diskussion aber geführt werden müssen aus meiner Sicht, bleibt also keine Alternative. Daß grundsätzlich jede politische Kraft versucht, die Medien für ihre eigene Sichtweise zu nutzen, ist sicher unstrittig.
Und auch Sie befassen sich leider auf nahezu allen vier Seiten mit der NPD. Wenn ich voraussetze, dass Sie sich informiert haben über meine Intensionen – sonst bräuchten wir nicht diskutieren – dann erscheint mir das etwas unverständlich.
1. Wenn wir ein demokratischer Staat sein wollen, dann darf von Staats- und Amtsseite her keine Diskriminierung und Verfolgung von zugelassenen Parteien und ihren Anhängern erfolgen, noch viel weniger, wenn sie kommunale Mandatsträger sind. Dies wäre staatliche Willkür und das wollen wir ja alle nicht, nicht wahr? Siehe auch dementsprechende Äußerungen von Johannes Masing, Richter am Bundesverfassungsgericht, in der FAZ.
Sie wissen sicher, dass trotzdem permanent gegen diesen freiheitlichen Grundsatz im Lande verstoßen wird. Und da ich Verfolgung im alten DDR-Regime kennen gelernt habe, sage ich an dieser Stelle ganz kompromißlos: Wehret den Anfängen!
Sie arbeiten selbst in diesem Staatsapparat und repräsentieren ihn damit auch. Insofern müssten Sie sich beruflich neutral verhalten – meinen Sie nicht?
2. Man kann sicher davon ausgehen, dass ein Bundesparteitag die jeweilige Partei repräsentiert. Wenn dies stimmt, habe ich vor den Menschen, die dort im Bürgerhaus saßen, keine Angst um unsere Demokratie. Auf andere von Ihnen vorgebrachte Dinge will ich nichts geben, solange ich nicht weiß, inwieweit sie manipuliert sind durch die entsprechenden ‚inoffiziellen Mitarbeiter’ des Verfassungsschutzes, welche ja unstreitig in größerer Zahl dort eingeschleußt sind, um die NPD günstiger weise zum Buhmann zu machen und als solchen zu erhalten(?). Da muß ich zunächst die Sichtweise unseres Verfassungsgerichtes akzeptieren.
Angesichts dessen, daß mir unser Pfarrer überraschenderweise im Verlaufe einer tribunalen Sitzung bekannte, dass man in Hohenmölsen Angst vor den linken Chaoten gehabt hätte – und nicht etwa vor den NPD-lern -, dann erscheint es mir geradezu schizophren, nicht zuvorderst gegen diese Chaoten zu demonstrieren.
3. Wenn ich nur ein wenig meine christlichen Prinzipien leben will, bin ich gehalten, mit allen meinen Nächsten zu reden, von lieben oder auch nur mögen ganz zu schweigen. Die Antwort darauf sind mir allerdings meine Pfarrer schuldig geblieben. Von Ihnen will ich sie deshalb nicht einfordern. Zumal ich Sie weltanschaulich nicht einordnen kann. Toleranz gegenüber Andersdenkenden dürfte aber auch dem nichtreligiösen Menschen nicht fremd sein, noch dazu wenn er’s im Schilde führt!!
4. Und nun zur Hauptsache:
Es ist schade, dass Sie wie die Meisten aus dem demokratischen Mittelfeld sich eigentlich nur mit der NPD befassen. Ich halte es für viel dringender, dass wir uns alle gemeinsam auf die schwerwiegenden Probleme, katastrophalen Entwicklungen und Gegebenheiten unseres Landes stürzen, um sie im Interesse der Existenz dieses Staates noch in den Griff zu bekommen. Wie z. Bsp. Überalterung, Geburtenrückgang, schlechte Bildung und Erziehung der Unterschichtkinder, mangelnde Integration großer Teile der Einwanderer, Inanspruchnahme unserer sozialen Netze und deren wachsende Überforderung, wachsende soziale Kluft in der Gesellschaft, härtere Verteilungskämpfe um die begrenzten Ressourcen u.s.w.
Mir ist aufgefallen, dass alle Diskutanten aus dem im weitesten Sinne öffentlich alimentierten Umfeld diese existenziellen Probleme ausklammern und möglichst über Randerscheinungen diskutieren. Es ist sicher verständlich, dass sie aus ihrer Sicht alles für gut und schön befinden, so wie es ist, und Veränderungen scheuen wie derTeufel das Weihwasser. Dabei übersehen sie aber, dass sie mit diesem Verdrängen und Verleugnen den Zusammenbruch dieses schwer und unbeweglich gewordenen Systems BRD provozieren und beschleunigen. Also nicht Rechts gefährdet den Staat, sondern die Ignoranz der Mitte. Rechts oder Links werden nur in vermutlich nicht all zu ferner Zukunft die Reste der kollabierten Bundesrepublik auflesen, um sie nach ihren Vorstellungen dann neu aufzubauen. Wir müssten also die Menschen nicht vor Rechts warnen, sondern ‚nur’ oder besser ihre Probleme aufgreifen und befriedigend für sie und für Deutschland lösen. Dann und nur dann werden die Extremen keine Chancen haben. Mit bunten Veranstaltungen werden wir Deutschland nicht vor dem Kollaps bewahren können, sondern im Gegenteil die Menschen verärgern, weil diese nicht so dumm sind, diese Spektakel nicht zu durchschauen.
Dies merk ich an den zahllosen zustimmenden Meinungsäußerungen, die ich in den letzten Wochen erhalten habe, aus allen Teilen der Bevölkerung.
5. Nun zu einigen Ihrer Kritikpunkte an NPD-Aussagen:
- „Nichtbezahlbarkeit ihrer Vorschläge und Wahlkampfforderungen!“ Da frag ich Sie: Wie viele Hunderte Milliarden stellt die BRD – wenn’s sein muß, über Nacht und bedingungslos – den Banken und Groß-Financiers dieser Welt zur Verfügung? Da hab ich das Wort unbezahlbar noch nie gehört, nur das Totschlagwort: alternativlos.
- „Individualität wird abgelehnt – dafür Rassismus, völkischer Gedanke!“ Da möchte ich dagegen halten: Was ist mit unserer Gesellschaft durch das Gedankengut der so genannten 68-er geschehen? Das Individuum ist alles, hat nur noch Rechte und Ansprüche. Gesellschaft (oder Volk) bzw. Pflichten stehen irgendwo ganz weit hinten. Getreu dem Motte: Wenn jeder an sich denkt – ist an alle gedacht! Die Konsequenz: ständig wachsende Kluft in der Gesellschaft, Egoismus, Resignation, Teilnahms- und Verantwortungslosigkeit; der Anständige ist der Dumme;
Wenn wir uns nicht bald wieder in diesem Volk heimisch fühlen und dessen bewusst werden (nicht nur bei Fußball-WM-s) in der Verantwortung der Generationen vor uns und der nach uns Kommenden, und negieren, dass der Mensch nur in seiner Gemeinschaft (Volk) gut existieren kann, dann wird uns diese Gesellschaft – eh wir’s gedacht – um die Ohren fliegen!
- „Angebliche geschichtsrevisionistische Auffassungen?“ Wollen Sie etwa bestreiten, dass Deutschland in vielen seiner Aktivitäten und Entscheidungen seit den 50-er Jahren viel zu sehr ausländischen Einflüssen unterlegen und nachgegeben hat, die gar nicht in seinem Interesse waren und sind?
- Ist es gleich Antisemitismus, wenn die NPD vom Begriff des „Zentralrates der Juden in Deutschland“ ableitet, dass damit eine gewisse Abgrenzung (Trennendes?) deutlich gemacht wird und die Benennung mit „jüdischen Deutschen“ zumindest semantisch glücklicher wäre, mehr Gemeinsamkeit ausdrücken würde?
Fazit: Jede Ausgrenzung und Diskriminierung wird zu Abgrenzung und Überreaktionen führen. Dies wird Ihnen jeder Psychologe und vor allem der gesunde Menschenverstand sagen. Deshalb fordere ich: Wir müssen mehr miteinander reden, gegeneinander toleranter sein und beim Gegenüber die guten Ansätze und Ideen suchen und übernehmen. Halten Sie die eigene Sichtweise wirklich für die allein Seligmachende? Diese Reibungsverluste, die ständig durch Konfrontation verursacht werden, können wir uns doch gar nicht mehr leisten. Dazu ist es schon viel zu sehr Fünf vor Zwölf!
Mit freundlichen Grüßen
Hans Püschel
180 Grad – Wende: Nach Wahlklatsche in Teuchern nun doch wieder Landespolitik – Erben (SPD) will weitermachen
Nachdem die ganzen Baumpflanz- und sonstigen medienwirksamen Aktionen des Noch-Innenstaatssekretärs Rüdiger Erben für die Bürgermeisterwahl in Teuchern keinen Erfolg zeigten, kehrt er in die Landespolitik zurück. Dazu paßt folgendes Zitat von Konrad Adenauer: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“.




